Klaus
Bader
50 year anniversary on stage
Klaus Bader, geboren 1941 in
Pforzheim, erhielt ab dem Alter von 9 Jahren - ohne rechte Begeisterung - Klavierunter-richt und damit eine
sehr wichtige Grundlage für sein späteres Wirken als Jazz-Musiker.
Mitte der 50er Jahre war Deutschland vom Rock'n Roll-Fieber befallen. Man
stürmte die Kinos um seine Idole Elvis oder James Dean zu sehen und zu hören. In
seiner Internatszeit war er ein Rock-Fan, wie viele in dieser Zeit. Neben seiner
Stube, im musikalischen Übungszimmer, probte ein Klarinettist ein Stück - immer
wieder das gleiche. Verständlich, dass der Kerl mit seinem ewigen Üben - einer
Musik, die mit Rock nicht das geringste zu tun hatte - ihn ganz schön nervte
(später erfuhr er, es war der "Working Man Blues", ein Stück der "Dutch Swing
College Band").
Um wenigstens Weihnachten seine Musik hören zu können, wollte er sich
Heiligabend 1956, kurz vor Ladenschluss, eine gute Rock-Platte kaufen. Die
Jazzklänge, die dann zu Hause aus seinem Plattenspieler klangen, trafen ihn
hart. Die Läden waren geschlossen und somit ein Umtausch unmöglich. Nun, er
hörte sich die Platte trotzdem an - einmal, zweimal, dreimal - und langsam
begann sie ihm sogar zu gefallen. Er hörte immer mehr aus ihr heraus. Sie lief
bestimmt 100 mal über die Feiertage, diese Platte von "Eddie Condon Allstars".
Ihr folgten dann noch viele und er wurde zum totalen Jazz-Fan.
Als er 16 Jahre alt war, erwarb er - heimlich, gegen die Vorstellungen seiner
Eltern - sein erstes Saxofon und brachte sich selbst und allein das Spielen
darauf bei. Heute sagt man dazu "learning by doing".
Im
Frühjahr 1957 kam er dann im "Cafe Wagner" in Pforzheim durch Zufall zu seinem ersten Auftritt: Als
Aushilfe bzw. Ersatz für den verhinderten Pianisten der "Quartier Latin
Jazzband" des Dieter Antritter aus Pforzheim (aus diesem ersten Auftritt wurden
dann im Laufe von 11 Jahren sehr viele, erst als Pianist und dann auch mit dem
Saxofon).
In der damaligen Zeit fuhr er sehr oft nach Stuttgart um in der dort
größeren Jazz-Szene "Live"-Jazz zu erleben und lernte dort viele andere Jazz-Musiker kennen, so auch den Bassisten Klaus
Schulze. Mit Ihm gründete er dann seine erste eigene Band, die "Chicagoans",
nahm noch 1961 an einem Band-Wettbewerb teil und errang auf Anhieb den
ersten Preis. Dieser Bandname entstand daher, weil er mit dieser Band
vornehmlich in dem Chicago-Stil der Eddie Condon Band spielte.
Er wurde sehr schnell bekannt und als Jazz-"Experte" geschätzt, sodass man
ihm Leitung des Pfotzheimer Jazzclubs in den Jahren 1961/62 vorübergehend
übertrug.
Einer
der bewunderten Stars aus den Condon-Bands war der Pianist Dick Cary (1916 -
1994), der auch verschiedene "Hörner" spielte. Dieser war in den Jahren 1947 bis
1948 der Pianist der "Louis Armstrong All Stars", später, 1949 bis 1950, dann in
"Jimmy Dorsey's Big Band" und danach vor allem bei den Condon-Bands. Von Klaus
Schulze hörte er dann 1977, dass Dick Cary nach Deutschland kommen sollte und
für eine Tournee eine Begleitband gesucht wurde. Klaus und Klaus bemühten sich
und es wurde wahr: Man durfte mit dem Idol Dick Cary spielen. Ehrfürchtig und
zitternd vor Aufregung machten sie einen Livemitschnitt mit Dick Cary. Es
entstand eine Platte ("Dick Cary and Chicagoans - Jazz Life"), über die der
damalige "Jazzpapst" Joachim Ernst Behrend schrieb, sie sei eine der schönsten
traditionellen LP's, die in den letzten Jahren in Deutschland produziert worden
ist. Drei Jahre später 1980 kam dann - auf eine Einladung von Klaus - Dick Cary
erneut nach Deutschland und man nahm eine weitere LP ("Dick Cary and Chicagoans
- Golden Jazz") auf.
Dick Cary spielte für Klaus Bader und seine Zukunft als erfolgreicher
Jazz-Musiker eine ganz entscheidene Rolle, er brachte ihm, dem Autodidakten,
viel über Harmonielehre - der Grammatik des Jazz - bei.
Damit hatten sich die "Chicagoans" ein sehr gutes Renommee geschaffen und so
kamen dann in den kommenden Jahren auf Einladung von Klaus Bader viele der -
bereits damals - "Jazz-Legenden", wie Peanuts Hucko, Trummy Young, Roy Williams,
Jim Galloway, Bud Freeman, Carry Smith, Beryl Bryden, Carl Worren (Leiter der
Reed-Section von Count Basie), Yank Lawson (Leiter der "World Greatest
Jazzband") und viele andere nach Deutschland, wo dann von Klaus ganze Tourneen
mit den "Chigagoans" durch Deutschland und auch z.T. angrenzende europäische
Länder organisiert wurden.
Bereits 1968 spielte er zusammen mit Benny Waters im La Cigalle in Paris und bei
einem anschließenden Konzert in Karlsruhe, wo Benny als Stargast auftreten
sollte - aber nicht konnte -, empfahl Benny Waters, dass Klaus Bader einspringen
sollte.
Wenn der bekannte Stride-Pianist Dick Wellstood (geb. 1927) in Deutschland war,
hängte er immer noch Termine an um mit Klaus zu spielen, aber nicht nur Musik
... insbesondere auch Schach !
Doch
zurück zum bereits erwähnten "Peanuts" Hucko (1918 - 2003). Dieser hat
entscheidend dazu beigetragen, dass Klaus Bader so spielt, wie er spielt,
perfekt und klangrein. Von Peanuts lernte Klaus alles über die Geheimnisse und
Besonderheiten der Mundstücke der Holzblasinstrumente, deren Eigenschaften einen
gewaltigen Einfluß auf den Klang des Instruments haben. So kann man guten
Gewissens Dick Cary und Peanuts Hucko als die wichtigsten Lehrmeister von Klaus
Bader bezeichnen.
1977 gründete er den Jazz-Club "Jazz Society Pforzheim" mit dem Ziel - entgegen
dem Trend, der inzwischen unter Jazz nur noch "Cool-Jazz" oder gar "Free-Jazz"
verstand - speziell den "alten" Jazz, eben "Oldtime", zu pflegen.
Mittlerweile hatte sich Klaus Bader einen Namen als Jazz-Experte gemacht und so
moderierte er von 1986 bis 1994
beim damaligen SWF-Rundfunk die Sendung "Oldtime".
Diese Musik pflegte er auch in der "All Star Specht Groove" mit dem
ausgezeichneten Pianisten Hans-Jürgen "Specht" Bock (der im vorigen Jahr
- viel zu früh - leider
verstarb). Aus dieser Formation heraus enstand dann Anfang der 90er Jahre das
heutige "Oldtime Quartett".
In dieser Zeit war es auch als diverse Differenzen in Stuttgart zur Schließung
der altehrwürdigen "Dixieland Hall" führten,
wodurch die Jazz-Musiker der alten Stilrichtungen - und damit auch deren Fans -
ihre "Heimat" verloren.
So gründete Klaus Bader, wieder mit Klaus Schulze und anderen Musikern aus den
Reihen der "Chicagoans" in Stuttgart 1999 die "Jazz Initiative Stuttgart", wurde
ihr Präsident und erreichte die Wiedereröffnung der alten "Dixieland Hall" als
"Traditional Jazz Hall".
Klaus Bader erhielt im August 2001 eine Einladung für Ende Mai 2002 zum größten
Jazzfestival der Welt in Sacramento, Kalifornien. Er sollte dort das
Bass-Saxofon zu spielen, was schon immer seine heimliche Liebe war. Die Band
stellte ihm das Instrument zur Verfügung und der "alte Hase" Klaus Bader wurde
vom Ehrgeiz gepackt. Nach fast 50 Jahren Erfahrung auf allen Arten von Saxofonen
- außer dem Bass - dieses auch noch zu erlernen, so wie es Adrian Rollini in den
20er Jahren vorgeführt hat. Klaus Baders Bass-Saxofonspiel war auf dem Festival
schließlich zur Attraktion geworden und die Leute dort kamen zur Bühne und
riefen "you are playing like Adrian Rollini". Das war das größte Lob, was man
ihm spenden konnte.
Wieder zurück in Deutschland meinte er, wenn man es fertig brächte, hier eine
Band im Stil von „Bix Beiderbecke and his Gang“ zu gründen, das wäre schon etwas
Besonderes. Musiker, die eine ähnliche Liebe zu dieser Stitrichtung empfinden
wurden angesprochen, viel wurde experimentiert und schließlich mit Andy Lawrence
am Cornet der richtige Mann gefunden, der in mühevoller Kleinarbeit Arrangements
im Stil der Roaring Twenties geschrieben hat. Damit war die neue Band "New
Storyville Jazzband" (zunächst "New Storyville Stompers") im September 2002 als
"sein jüngstes Kind" geboren.
Mittlerweile spielt er das Bass-Saxofon - nach Meinung vieler Fachleute - besser
als das große Vorbild Adrian Rollini.
D.U.